Der Tag, an dem ich das Rauchen aufgab

 

Der Titel signalisiert jetzt, dass es bei mir diesen einen Tag gab, allerdings kann ich sagen, es waren mehrere. Also einige erfolglose Versuche, aber immerhin drei erfolgreiche Versuche, der dritte hält aktuell noch an und mit der Erfahrung aus den beiden vorherigen sollte es eigentlich der Letzte sein. Dann würde es ja passen: Alle guten Dinge sind drei!

 

Wie alles begann.

Ich hatte gerade mein Studium erfolgreich abgebrochen und begann meinen Job als Elektriker bei meinem jetzigen Arbeitgeber, als ich so für mich mal feststellte, dass ich tatsächlich fast zwei Schachteln Reval ohne Filter am Tag in meine junge Lunge reinzog. Zudem war ein Punkt erreicht, bei dem ich abends so ein leichtes Beklemmen auf der Lunge hatte. Nichts desto trotz kam es aber auch regelmäßig vor, dass ich mitten in der Nacht aufwachte, zum Fenster ging und mir eine Zigarette anzündete. Und so stand ich in einer lauen Nacht am Fenster und mir wurde bewusst, wie sehr mich dieser kleine Klimmstängel beherrschte. Ich bin sogar nachts schon los gefahren zur Tankstelle, um Zigaretten zu kaufen, nur um die Panik zu vermeiden, die letzten zwei Zigaretten könnte ausgehen und kein Ersatz wäre da. Getrieben von dieser Wahnvorstellung musste also immer genügend Nachschub auf dem Tisch liegen, bevor ich ins Bett ging.

 

So machte ich mich damals auf den Weg in die Apotheke, ließ mich beraten und entschied mich für die Nikorette-Tabletten. In der ersten Woche drei Tabletten am Tag, in der zweiten Woche zwei Tabletten am Tag und in der dritten Woche nur noch eine Tablette. Mein Wille war zu diesem Zeitpunkt auch stark genug, die Gewohnheit zu überwinden und aus dem Kopf zu bringen. Ich weiß heute noch genau, ich ging an diesem Montag ins Geschäft zu meinem Meister und sagte zu ihm: Meister, ich habe das Rauchen aufgegeben, bitte hab etwas Mitgefühl mit mir, wenn ich etwas gereizter bin als sonst. Er schien das Problem zu kennen, stimmte mir zu und ich informierte noch meine Kollegen. Und ja, so manches „blöde Geschwätz“, das man im Normalfall locker wegstecken konnte, brachte mich hier zur Weißglut!

 

Doch trotz dieser Schwierigkeiten meisterte ich das Ganze recht gut. Einziger Nachteil: Ich habe zugenommen, weil ich natürlich das Rauchen mit Naschen ausgeglichen habe. Gut, damals war ich noch so hager, da machte das nicht wirklich was aus und so hatte ich trotz Gewichtszunahme erst mal keinen Nachteil. Diese rauchfreie Zeit dauerte stolze 9 Jahre, bis meine zweite Frau in mein Leben trat. Sie war Raucherin und rauchte auch nicht gerade wenig. Anfangs machte das noch nichts aus, aber dennoch war irgendwann wieder die Verlockung da. Und was solls, so ab und zu mal eine Zigarette danach oder so…

 

Lange Zeit war es wirklich so, dass ich nur hin und wieder eine Zigarette mitrauchte, so zum Abschluß des Tages oder einfach, wenn einem danach war. Allerdings wurde es im Laufe der Zeit mehr, sodass mich dann auch die Lust im Büro überkam. Heute weiß ich, schon die erste Zigarette war der Anfang vom Ende. Ich kaufte mir eigene Zigaretten und das war es dann. Innerhalb eines Jahres war ich wieder auf eine Schachtel am Tag. Dies war also 1998. So rauchte ich mich wieder 14 Jahre durchs Leben, mal mehr, mal weniger, aber im Schnitt war es immer eine Schachtel oder auch mehr, weitaus seltener weniger.

 

Es war der März 2012, als ich wieder auf einem Tagespensum von rund 1 ½ Schachteln war und mir etwas merkwürdiges passierte: Ich unterhielt mich mit jemandem, der das Rauchen durch Hypnose aufhören wollte. Wir scherzten darüber etwas und ich stelle mir vor, wie eine Frau vor mir steht, mit den Händen mystische Bewegungen vor meinem Gesicht macht und immerzu sagt: Du hast keine Lust mehr zu rauchen, die Zigarette schmeckt dir nicht mehr…. Wir lachten über diese Vorstellung und ich machte mir dazu auch keine Gedanken mehr. Abends im Bett schoß mir genau dieser Moment nochmal durch den Kopf. Ich sah diese imaginäre Frau vor mir und hörte diese oben beschriebenen Worte, musste kurz Schmunzeln, drehte mich um und schlief ein.

 

Am nächsten Morgen stand ich wie gewohnt auf, machte mir meinen Tee und ging zum Rauchen auf den Balkon. Es war noch frisch, aber dennoch für einen März schon angenehm warm und zündete die Zigarette an. Als ich dann daran zog und inhalierte, schmeckte die Zigarette nicht mehr so, wie ich es in Erinnerung hatte. Nein, irgendwie sogar widerlich. Aber einen abgehärteten Raucher schreckt sowas nicht ab, der zieht das durch! Im Gegenteil, mir kam eher der Gedanke in den Sinn, dass ich mir womöglich eine Erkältung eingefangen habe und mir deswegen die Zigarette nicht so schmeckte wie sonst. Im Auto dann auf dem Weg zum Büro das Selbe, sodass ich die Kippe schon so zwei Züge früher aus dem Fenster warf als sonst. Im Büro ging es dann weiter, sodass ich die 8-Uhr-Zigarette ausfallen lies. In der Pause um 9 dann mit einem komischen Gefühl im Bauch in den Raucherraum, Zigarette angezündet und bereits nach wenigen Zügen wieder ausgemacht. Diesmal war es aber ganz heftig. Mir zog es förmlich die Lunge zusammen, Übelkeit stieg in mir hoch und ich hatte das Gefühl, mir schnürt jemand den Hals zu. Ein Gefühl, das ich niemand wünsche.

 

Dieser Effekt reichte mir an diesem Tag, ich schob es auf die kommende Grippe und rauchte diesen Tag nicht mehr. Komischerweise vermisste ich aber auch nichts, kein Entzug, kein Zittern, keine leichte Reizbarkeit, es war einfach so, als ob ich nie geraucht hätte. Meine noch fast volle Schachtel schenkte ich dann eine Woche später meinem Kollegen und ich fühlte mich gut. War es jetzt die Folge einer Art Selbsthypnose? Hatte ich mich wirklich durch diesen Gedanken an die Hypnose selber in einen Zustand gebracht, der mir Übelkeit statt Lust iniziierte? Ich weiß es nicht, jedenfalls habe ich ab diesem Tag nicht mehr geraucht und ich fand das gut!

 

Angehalten hat das dann bis Anfang August desselben Jahres. Und der Grund ist so profan wie einfach, ich machte im August meinen 3-Wochen-Urlaub in den USA zusammen mit drei Raucher. Die erste Woche war noch gar nichts, aber in der zweiten Woche habe ich dann etwas Geschwächelt. Wir haben jeden Abend Tequilla getrunken und waren alle wirklich gut drauf. Alle haben zum Trinken ihre Zigaretten geraucht, nur ich hatte „kein Spielzeug“ in der Hand. Also dachte ich fälschlicherweise, dass ich das diesmal im Griff habe, denn schließlich habe ich ja ganz ohne Hilfsmittel aufgehört mit Rauchen. Ich begann Abends nach dem Essen zusammen mit den Anderen eine Zigarette zu rauchen, Es waren dann auch mal zwei und auch Nachmittags zum Kaffe passte es gut, beim Grillen konnte man gut die Zeit überbrücken und wie soll man sagen, am Ende waren es dann doch mehrere Zigaretten am Tag. Der Urlaub ging vorbei und der 10-Stunden-Rückflug stand an. Es war tatsächlich kein Problem, jetzt einfach nicht zu rauchen. Und wieder zu Hause begann der Tagesablauf wie vor dem Urlaub, ich hatte kein Verlangen nach einer Zigarette. Doch einige Tage später, wenn es nicht gar schon zwei Wochen war, überkam mich eines Abends die Lust, an diesem lauen Abend noch eine Zigarette zu rauchen. Ich hatte keine da, also ging ich unverrichteter Dinge ins Bett. Am nächsten Tag kam dieses Gefühl wieder, aber leider noch zu einer Uhrzeit, an der der Supermarkt gegenüber offen hat. Ich kaufte mir eine Schachtel und genoss diese eine Zigarette.

 

So ging es einige Tage, dann bekam ich wieder Lust und ich würde sagen, es waren mindestens 4 Wochen, an denen ich abends meine Zigarette rauchte, diese genoß und sonst keine. Doch das war die Rechnung ohne meine Psyche. Ich weiß nicht mehr genau, wann das war, aber ich weiß noch ganz genau, wie es war. Es war vormittags im Büro, als mich wie ein Pistolenschuss eine Gier nach einer Zigarette überkam, eine unbeschreibliche Kraft, die mir den Gedanken an eine angezündete Zigarette mir förmlich in den Verstand brannte. Ich verstand die Welt nicht mehr, ich konnte nicht mehr klar denken, geschweige denn normal handeln. Ein Effekt, den ich so mir nie vorstellen hab können. Nur mit Mühe schaffte ich die Zeit bis zur Mittagspause und wollte mich dann mit Essen ablenken, weil mein ganzes Obst vom Pausenvesper schon weg war.

 

Doch die Ablenkung hat nicht lange gehalten, wieder kamen die inneren Kämpfe hoch, die mir einredeten, ich müsse jetzt sofort und unmittelbar eine Zigarette rauchen. Doch ich wollte es so und unter diesen Umständen nicht einfach geschehen lassen. Nicht vor meinen Kollegen, die ja stolz auf mich waren, dass ich es aufgegeben hatte.

 

So machte ich an diesem Tag bereits um halb Drei Feierabend, fuhr auf direktem Weg zur nächsten Tankstelle, die nicht mal auf dem Heimweg lag, kaufte Zigaretten und Feuerzeug und stellte mich gleich ums Eck, zündete die erste Zigarette an und es war in mir, als ob der entzugsgebeutelte Körper eine Totalentspannung erfuhr. Das war die erlösendste Zigarette, die ich je hatte. Das Ende vom Lied: Ich rauchte wieder. Zwar nur wenige Zigaretten am Tag, aber im Laufe der Zeit war wieder das gewohnte Pensum erreicht. Über diesen Rückfall ärgerte ich mich selber so sehr, dass ich mich in Gedanken oftmals böse beschimpfte und beleidigte. Ich hatte es auch nicht anders verdient. Andere Raucher müssen dafür richtig leiden und ich hatte die Chance, ganz ohne Hilfsmittel wegzukommen und vergeige es so leichtsinnig. Nein, nicht leichtsinnig, sondern schwachsinnig!

 

Und so gärte in meinen Kopf ganz nachhaltig der Gedanke, dass ich es wieder lassen will.

 

Eines Tages nahm ich mir vor, einfach am Freitagabend, wenn ich nach Hause komme, nicht mehr zu rauchen. Das muss gehen, bin doch Willensstark. Also die Zigaretten so eingeteilt, dass ich auf der Heimfahrt meine letzte Zigarette rauchte. Das war um 16.30 Uhr. Zuhause dann angekommen machte ich mir mein Abendessen und merkte schon, ja, jetzt wäre ich auf den Balkon, eine Zigarette anzünden, während die Nudeln 8 Minuten kochen müssen…. Nach dem Essen war dann der Wunsch nach einer Zigarette so heftig, dass ich kurzer Hand den Geldbeutel nahm, zum berüchtigten Supermarkt ging und eine Packung kaufte. Nein, nicht nur eine, gleich wieder die gewohnte Menge… Dasselbe Prinzip probierte ich dann eine Woche später noch einmal, da hielt der Vorsatz aber nur noch eine halbe Stunde. Ah ja, so schwach bin ich also geworden, das mein Wille von dieser Zigarette gebrochen wurde.

 

Doch der innere Wille, wieder von der Sache wegzukommen, war immer noch da, denn einerseits spürte ich schon, dass die Zigarette mir nicht gut tat und zum Zweiten war es mittlerweile auch nicht mehr nur morgens ein kurzes, heftiges Husten, sondern das zog sich so über den ganzen Tag hin. Nein, man müsste schon wirklich Ignorant sein, dieses nicht zu bemerken. Und so kam dann im Mai 2014 die rettende Nachricht im Betriebsinternen Intranet:

 

Sofort Rauchfrei durch die Rauchfrei-Spritze! 1000-fach erprobt, Erfolgsquote 80 Prozent!

 

Hoi, das hört sich interessant an! Und weil es in unserer Firma ausgeführt wird, kostet es nur 60 Euro und nicht 120 Euro. Zudem habe ich im Laufe der Jahre von einigen gehört und mitbekommen, dass genau diese Methode sehr gut sein soll.

 

Ich zögerte keine Sekunde mehr, drückte auf „Anmelden“, trug meinen Namen ein und notierte mir den Termin: 6, Juni 2014, 15.00 Uhr bis 16.30 Uhr im Raum Afrika, Vorbereitendes Gespräch mit Frau Dr. xxx und ihrem Assistenten Herrn Dr. xxx, anschließend setzen der Spritzen.

 

Ich war in diesem Moment innerlich so glücklich, jetzt einen Vorwand zu haben, dass es klappen muss, dass die vier Wochen einfach viel zu lange waren. Ich schränkte in der Zeit meine Raucherei in keiner Weise ein, nein, im Gegenteil, ich qualmte wie ein Schlot, in der Nacht, wenn ich wach wurde und in jeder nur erdenklichen Minute, weil ich ja ganz genau wusste, wann es vorbei sein wird! Und sollte die Spritze nicht funktionieren, denkt der Schwabe, dann muss ich nur 12 Tage durchhalten, dann hat sich das schon amortisiert... Der Termin kam näher und endlich war es soweit. Es versammelten sich 25 Personen zum ersten Termin und es gab noch einen zweiten Termin im Anschluss, der ebenfalls 25 Leute umfasste. Die Ärztin eröffnete den Termin und sagte als erstes, dass bereits eine Stunde nach einstellen des Kurses alle Termine vergeben waren. Eine solche Resonanz hatte sie nicht erwartet. Dann wurde die ganze Sache erklärt, seit wann sie das macht, wie viele Menschen sie schon geholfen hat, was die Sache positiv unterstützt und was man vermeiden sollte.

 

Was ich aus diesem Termin mitgenommen habe:

Man sagt immer, der Körper bräuchte für die Verarbeitung des Nikotins so viel Kalorien, dass man deswegen nicht dick wird, während man raucht, und wenn man aufhört, fehle diese Aktivität und deswegen nimmt man zu. Dieses wurde eindeutig widerlegt. Es wird dagegen ganz anders begründet:

Durch die tägliche Raucherei sind Geruchssinn und Geschmackssinn derart betäubt, dass der Mensch die meisten Geruchsstoffe und Geschmacksstoffe gar nicht mehr wirklich wahrnimmt. Im Grunde genommen bewegt sich beides in einer stetigen Regenerationsphase, bis dann wieder die nächste Zigarette  die Rezeptoren entsprechend blockiert. Das bedeutet, dass bereits eine Stunde nach der letzten Zigarette der starke Raucher wieder mehr riecht und schmeckt als nach dem Genuss einer Zigarette. Dieses kann ich bestätigen, mehr dazu weiter unten. Wenn sich nun die Geschmacksnerven langsam erholen, schmecken und riechen wir wieder besser. Das hat zur Folge, dass wir auch beim Essen und Trinken alles wesentlich intensiver wahrnehmen. Weil wir alles viel intensiver wahrnehmen, neigen wir automatisch dazu, mehr zu essen, weil wir ja diesen guten Geschmack und Geruch länger genießen wollen. Dadurch entsteht  dann dieser Teufelskreis, dass wir selber mehr zu uns nehmen, als vorher und dann automatisch zunehmen werden.

 

Der Raucherhusten ist im Grunde genommen eine Sicherheitsreaktion des Körpers, der durch den Rauch gereizt mehr Schleim in der Lunge bildet, die aber durch die betäubende Wirkung des Rauches nicht mehr in der Lage ist, den Schleim schnell abzubauen oder abzuführen und somit diesen als Fremdkörper interpretiert, der durch Husten ausgeworfen werden muss.

 

Die Lunge ist ja zu dem Zeitpunkt noch schwer belastet, sodass es ein bis drei, manchmal auch vier Wochen dauert, bis der Husten wirklich nachlässt und vorbei geht. Ist er dann nach einiger Zeit vorbei, regeneriert sich auch die Lunge. Das geht nicht so schnell, aber wenn man sich zum Ausgleich auf eine immer gleichbleibende Spazierrunde  begibt, so merkt man nach einigen Tagen, dass es irgendwie leichter wird. Ich erinnere mich noch genau, meine Runde hatte eine Länge von 4,5 km und ich musste mich schon anstrengen, diese zügig zu laufen. Zudem spürte ich dann immer in der Lunge, als ob es dort kalt werden würde. Der Husten wurde bereits eine Woche nach dem Rauchen deutlich weniger heftig, brauchte aber fast vier Wochen, bis er wirklich vorbei war. Und die 4,5 km liefen plötzlich deutlich leichter. Dieser Kälteeffekt wurde weniger und war schnell vorbei und auch das Atmen fühlte sich besser an.

 

Was mich aber von der ersten Stunde an am meisten überzeugte war mein Geruchssinn. Es war Juni, die Wiesen und Felder standen in Blüte und Frucht und die Welt hatte den schönsten Sommerduft. Als ich abends um 17.00 Uhr mit offenem Verdeck nach Hause fuhr, da konnte ich das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit den Duft des Sommers riechen! Gras, Heu, Blumen, alles hatte so einen deutlichen Geruch! Allerdings roch ich auch an der Ampel die Abgase des Vordermanns wesentlich intensiver, und die Rauchwolken des Fahrers vor mir, der den Rauch seiner Zigarette aus dem Fenster bliess, war wie eine Ohrfeige für mich!

 

Aber genau diese positiven Momente, der Duft der Natur, das leichtere Atmen, das war das, was ich mir sogar heute immer wieder bewusst mache, um mein inneres Ich zu stärken!

 

Würde ich aber jetzt sagen, das wars, keine weiteren Probleme, dann würde ich lügen. Bereits beim Verlassen der Firma war ein ganz kurzer Moment, an dem ich der Gewohnheit folgend eine Zigarette anzünden wollte, Ich hätte es ja auch gekonnt, in meiner Brusttasche steckte ja noch die Schachte vom Tage mit genügend Zigaretten darin. Doch hier überwiegte die Freude des nicht-rauchens.

 

Was sagte der Arzt noch, wenn wir auf „Entzug“ sind?

Der eigentliche körperliche Entzug dauert drei bis fünf Tage, genauso lange wirkt die Spritze, damit man sich die Tage ganz auf seine Gewohnheit konzentrieren kann. Und um dem Körper was Gutes zu tun und beim Abbau der giftigen Stoffe zu unterstützen, soll man die folgenden Tage und Wochen einfach viel Wasser trinken. Er empfiehlt, für jede Zigarette, die man rauchen will, ein Glas Wasser zu trinken. Außerdem soll man, wenn einen die Lust überfällt, das Rauchen simulieren. Also symbolhaft an einem Kugelschreiber oder Bleistift ziehen, als ob es eine Zigarette sei und die Luft tief inhalieren. Wir lachten alle bei diesem Vorschlag und stellten uns vor, wie bescheuert das aussehen wird. Doch ich war noch keine Stunde zu Hause, da stand ich aus Gewohnheit schon mit einem Glas Wasser auf dem Balkon. Ich genoss die Aussicht in den Garten, erfreute mich, dass ich diese Aussicht jetzt mal ganz ohne Zigarette genießen konnte und erinnerte mich an das Gesprochene. Und ja, die Lust, jetzt eine Zigarette anzuzünden war schon da. Nicht so heftig, dass es einen auffressen will, aber doch so stark, dass der Raucher sagen würde, komm, lass uns doch noch eine Rauchen.


Jetzt kam der Selbstversuch des symbolischen Rauchens, Ich steckte mir unauffällig den Finger in den Mund (Es könnte mich ja jemand sehen…) und zog daran, nahm ihn weg und inhalierte richtig tief, als ob ich eine rauchen würde. In der Tat, der Körper ist so darauf konditioniert, dass diese eingeatmete Luft in mir denselben Effekt auslöste, als ob ich an einer echten, brennenden Zigarette gezogen hätte! Das selbe Kribbeln, das selbe Kratzen im Hals, ja, es fühlte sich tatsächlich so an!

 

Und ohne Witz, wenige „Züge“ später stellte sich das zufriedene Gefühl ein, als ob ich tatsächlich eine Zigarette geraucht hätte. Ich hätte sowas nie für Möglich gehalten, wenn ich es nicht am eigenen Leib erfahren hätte!

 

Erfreut darüber, wie gut es mir ging, motivierte ich mich selber in allen Lebenslagen. Okay, in den ersten Wochen bin ich zum absoluten Wassersäufer geworden. Erst da fällt einem auf, welche Ereignisse einen früher dazu ermunterten, eine Zigarette anzuzünden. Die Werbepause im Fernsehfilm, das Beenden des Essens, nach dem Duschen, zum Kaffee, in Abhängigkeit der Uhrzeit, ja, sogar neulich noch, als ich auf dem Weg zu meiner Schwester nach ein paar Kilometer schnelleren Fahrt auf der Autobahn auf die Schnellstraße abbog und genau in dem Moment schoss der Gedanke durch den Kopf, jetzt kannste eine Rauchen!

 

Aber auch erfreulich: Ich hatte schon etwas Bammel davor, dass ich jeden Morgen mit Frühstücksritual auf dem Balkon und Fahrt ins Büro die meisten Probleme haben würde. Komischerweise bereiteten diese beiden Situationen die wenigsten Probleme. Zudem hatte ich auch noch etwas Besonderes vor: Ich wollte die netten Kontakte im Raucherzimmer nicht einfach so missen und stellte mich am Anfang mit meiner Tasse Kaffee einfach in den Raucherraum mit rein und tratschte mit. Aber nach wenigen Tagen fand ich den Geruch im Raucherraum nicht mehr zum Aushalten. Der Gestank von kalten Rauch und dann diese konzentrierten Rauchschwaden, nein das mochte ich nicht mehr. Zudem roch ich dann selber, wie sehr der Rauchgeruch in meinen Kleidern hängen blieb.

 

Was ich hier nicht unerwähnt lassen wollte: Ich habe jetzt ein halbes Jahr überstanden. Die Lustattacken und die Gewohnheitsattacken haben sehr stark nachgelassen. Es sind nur noch vereinzelt Momente dabei, in denen ich an eine Zigarette denke, dann Schmunzeln muss, einmal tief durchatme und gut ist. Und ja, ich habe zugenommen. Aber keine 5 oder 10kg, sondern nur zwei Kilo, die ich jetzt in Angriff nehme und auch wieder wegbekommen will.

 

Fazit zum Ganzen: Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören. Es tut ungemein gut, wenn man spürt, wie manches wieder leichter wird. Und es tut gut, wenn man feststellt, dass man jeden Monat 160 Euro mehr im Geldbeutel hat! Die Vorteile des nicht Rauchens überragen die Vorteile des Rauchens um vieles! Jeder kann aufhören, wenn er es will. Der eine braucht dazu Tabletten, der Andere einen guten Willen und er Dritte zwei Spritzen hinter die Ohren.

 

Und hätte ich gewusst, dass es mit der Spritze so einfach geht, ich hätte es schon früher getan!

 

 


Update April 2016

 

Jetzt sind es schon fast zwei Jahre, in denen ich nicht mehr geraucht habe. Die "Suchtanfälle" sind praktisch nicht mehr da und ich habe manchmal das Gefühl, es ist schon eine Ewigkeit her, dass ich an der letzten Zigarette gezogen hatte. Meiner Lunge geht es gut, die hat sich schön erholt und auch heute freue ich mich immer noch darüber, wuie schön es ist, alles so zu riechen, wie es richt. Gerade jetzt im Frühjahr genieße ich jeden Luftzug, der mir den Duft der Natur näher bringt.

 

Ich kann die Methode nur empfehlen. Und ich bin der Meinung, dass man mit dem richtigen Umgang über eventuelle Sympthome des Entzugs schon sehr viel vorbeugen kann. Ich ertappe mich manchmal, wie ich auf dem bakon stehe und richtig tief durchatme und den Duft der frischen Luft genieße. Vielleicht ist das mit der Grund, warum der Verzicht mir so leicht fällt.